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Plotten, Pantsen und das Spiel dazwischen

Manche Autor:innen schwören auf vorherige Planung (Plotten) und nutzen Masterplots und Tropes als Leitfaden, um ihre Handlung zu strukturieren. Andere wiederum lassen sich von ihrer Kreativität treiben und entdecken die Geschichte spontan (Pantsen). Dabei ist es entscheidend, die richtige Balance zwischen Struktur und Freiheit zu finden, damit du dich nicht im Schreiben verlierst.


Eine Person sitzt am Tisch und notiert sich Ideen auf verschiedenen Zetteln.

Die Entscheidung darüber, wie du deine Geschichte angehst, kann eine grundlegende Herausforderung darstellen. Zwischen den beiden Extremen des detaillierten Plottings und des spontanen Pantsens gibt es jedoch auch eine Welt des Entdeckens – das explorative Schreiben. In diesem Guide beleuchten wir verschiedene Methoden und wie du sie effektiv nutzen kannst.


Plotten


Plotten bedeutet, im Voraus eine detaillierte Handlung oder Outline zu erstellen. Du planst die Ereignisse, Charakterentwicklungen und Wendepunkte, bevor du mit dem eigentlichen Schreiben beginnst.


Methoden, die dir dabei helfen können, sind z. B.

Snowflake-Methode

Die Snowflake-Methode ist eine strukturierte Herangehensweise ans Plotten, die von dem Autor Randy Ingermanson stammt. Sie hilft dabei, eine Geschichte schrittweise zu entwickeln, beginnend mit einer einfachen Idee, die dann zu einem ausführlichen Handlungsentwurf ausgebaut wird.


  1. Einen Satz schreiben: Verfasse einen einzigen Satz, der den Kern deiner Geschichte zusammenfasst. Es ist wie ein Pitch und könnte so aussehen: »Ein junger Anwalt findet ein vergessenes Tagebuch in einem Antiquariat und stößt auf ein düsteres Familiengeheimnis.«

  2. Deine Idee in fünf Sätzen: Baue deinen Satz weiter aus und schreibe nun einen ganzen Absatz. Ziel ist es dabei, die wichtigsten Spannungsmomente oder »Katastrophen« zu beschreiben und das Ende der Geschichte anzudeuten.

  3. Hauptfiguren entwickeln: Für jede Figur kannst du dir eine Seite nehmen und die Geschichte eines jeden einzelnen Protagonisten beschreiben. Erkläre, was sie antreibt, welche Ziele sie haben und mit welchen Hindernissen sie konfrontiert werden.

  4. Einen Plot entwickeln: Entwerfe einen grundlegenden Handlungsverlauf, der die Hauptereignisse und Wendepunkte deiner Geschichte umreißt. Erweitere dafür den Absatz aus Schritt 2 zu etwa einer Seite. Jeder Absatz dieser ausführlichen Zusammenfassung sollte in einer »Katastrophe« enden, der letzte Absatz beschreibt das Ende.

  5. Figurenprofile erweitern: Für jede Figur – Haupt- und Nebenfiguren – erstellst du je eine halb- bis einseitige Zusammenfassung. Dabei soll die Geschichte deines Buches jeweils aus ihrer Sicht erzählt werden. Das dient dazu ihre Charakterzüge und Motive zu schärfen.

  6. Entwurf eines detaillierten Handlungsplans: Erweitere die einseitige Zusammenfassung der Romanhandlung aus Schritt 4 auf etwa vier Seiten. Ziel ist es dabei, die einzelnen Ideen und Spannungsmomente auszubauen und zu »formen«.

  7. Dreidimensionale Figuren: Basierend auf den Kurzzusammenfassungen aus Schritt 3 kannst du umfassende Beschreibungen für jede Hauptfigur erstellen. Beschreibe, was die Figur ausmacht und wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt.

  8. Überblick verschaffen: Erstelle eine Tabelle mit je einer Zeile pro Szene, basierend auf der mehrseitigen Zusammenfassung der Handlung aus Schritt 6. Beschreibe darin, was in jeder Szene passiert und aus wessen Sicht sie geschrieben ist.

  9. Szenendetails: Verfasse zu jeder Szene eine mehrere Absätze umfassende Beschreibung, basierend auf der Tabelle aus Schritt 8. Notiere Ideen und Ansätze für Dialoge und stelle den Konflikt der Szene dar.

  10. Überarbeitung und Verfeinerung: Überarbeite deinen Handlungsentwurf und deine Szenen, um sicherzustellen, dass sie logisch aufeinander aufbauen und die gewünschte emotionale Wirkung erzielen.

Save-The-Cat-Modell


 

Pantsen


Pantsen bedeutet, ohne vorherige detaillierte Planung drauflos zu schreiben. Autor:innen lassen die Geschichte spontan entstehen.


»Methoden« beim Pantsen sind z. B.:

Freewriting

Go with the flow! Schreibe ohne Unterbrechung, um Ideen fließen zu lassen.

Charakter-getriebenes Schreiben

Überblick behalten


 

Exploratives Schreiben


Exploratives Schreiben ist eine flexible Methode, die Elemente des Plottens und Pantsens vereint. Autor:innen haben eine grobe Idee, aber lassen Raum für Spontanität.


Methoden des explorativen Schreibens:

Deine Geschichte in einem Satz

Halte deine Grundidee in einem Satz fest und versuche dabei möglichst präzise zu sein. Der Satz kann dir trotz der Kürze Struktur geben und Ideen fließen lassen.


Z. B. »In einer postapokalyptischen Welt, in der die Menschheit ums Überleben kämpft, schließt sich eine junge Wissenschaftlerin einer mutigen Gruppe von Rebellen an, um die geheime Ursache der Katastrophe zu enthüllen und die Zukunft der Menschheit zu retten.«

Deine Geschichte in drei Sätzen

Ein Dokument zum Brainstorming

Szenenentwicklung


 

Welcher Ansatz ist besser?


Es gibt keinen universellen Ansatz. Das Spiel zwischen Plotten, Pantsen und dem explorativen Schreiben ermöglicht Autor:innen, ihre eigene Mischung zu finden. Ein möglicher Weg ist das grobe Plotten, gefolgt von einem freieren Schreibprozess, der Raum für spontane Entwicklungen lässt.


Am Ende zählt das Ergebnis. Experimentiere mit verschiedenen Methoden, sei es das detaillierte Plotten, das spontane Pantsen oder das flexible explorative Schreiben. Finde die Balance, die zu deinem individuellen Schreibstil passt. Es geht nicht darum, sich auf »entweder oder« festzulegen, sondern die Vielfalt dieser Methoden zu nutzen, um das Schreiben zu einem individuellen, kreativen Prozess zu machen.

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